- Alexandre Antoine übernahm 2023 die Führung von Elfix mit dem Ziel, die damalige Struktur mit rund 40 Mitarbeitenden weiterzuentwickeln und innerhalb der STWC-Gruppe neue Grundlagen für Wachstum zu schaffen.
- Elfix verbindet handwerkliche Präzision mit industrieller Organisation und ist auf die Veredelung und Montage hochpräziser Uhrenkomponenten für die Haute Horlogerie spezialisiert.
- In weniger als drei Jahren wuchs das Unternehmen auf über 110 Mitarbeitende und setzt dabei auf klare Prozesse, operative Exzellenz und kontinuierliche Verbesserung.
- Die Integration in die STWC-Gruppe stärkt Versorgungssicherheit, ermöglicht Synergien und schafft durch gemeinsame Systeme und Kompetenzen zusätzliche Flexibilität.
- Vertikale Integration, Investitionen in Innovation sowie die Entwicklung der Mitarbeitenden sollen Qualität, Effizienz und langfristige Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken.
Von einem kleinen Betrieb mit rund 40 Mitarbeitenden hat sich Elfix innerhalb weniger Jahre zu einem dynamisch wachsenden Unternehmen entwickelt. Ihre Position in der Haute Horlogerie baut Elfix dabei kontinuierlich aus und hat sich das Ziel gesetzt, handwerkliche Präzision durch klare Strukturen und gezielte Investitionen mit industrieller Performance zu verbinden. CEO Alexandre Antoine spricht über die wichtigsten treibenden Faktoren dieser Entwicklung und erklärt, wie Wachstum erreicht wird und gleichzeitig höchste Qualitätsstandards eingehalten werden können.
Zusammenfassung
Sie haben 2023 im Rahmen der Integration in die SwissTech Watch Components (STWC) Gruppe die Funktion des CEO von Elfix in einer Transformationsphase übernommen. Was hat Sie an dieser Rolle besonders gereizt?
Nach rund 15 Jahren im operativen Management war dies für mich der logische nächste Schritt und gleichzeitig ein entscheidender Wendepunkt in meiner Karriere. Was mich besonders gereizt hat, war die Herausforderung, einen relativ kleinen Betrieb mit damals rund 40 Mitarbeitenden zu entwickeln und in ein leistungsstarkes Unternehmen umzuwandeln.
Die Gruppe hatte klare Ambitionen, stark zu wachsen, Strukturen und eine gemeinsame Unternehmenskultur aufzubauen. Diese Kombination aus unternehmerischer Herausforderung und Entwicklungspotenzial war für mich sehr motivierend. Gleichzeitig war es für mich auch eine Rückkehr zu meinen Wurzeln in La Chaux-de-Fonds, einem Ort, an dem ich mich zu Hause fühle.
Elfix ist auf die Veredelung und Montage hochpräziser Uhrenkomponenten spezialisiert. Was macht Ihre Geschäftstätigkeit in der Haute Horlogerie besonders anspruchsvoll?
Wir arbeiten an der Schnittstelle von Handwerkskunst und industrieller Fertigung. Das Polieren von Edelmetallkomponenten macht einen grossen Teil unserer Arbeit aus, oft bis ins kleinste Detail. Manchmal polieren wir sogar Teile, die später nicht mehr zu sehen sein werden. Genau das ist die Philosophie der Haute Horlogerie: Perfektion bis hin zum Unsichtbaren.
Diese Arbeit erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine gewisse mentale Einstellung, die Bereitschaft, jedes Detail perfekt auszuführen. Gleichzeitig müssen Prozesse reproduzierbar und effizient sein. Diese Balance zwischen höchster Qualität und industrieller Organisation macht unser Geschäft besonders anspruchsvoll.
Welche Erfahrungen Ihrer bisherigen Karriere in Produktion und Haute Horlogerie helfen Ihnen heute bei der Weiterentwicklung von Elfix?
Meine Erfahrung im operativen Bereich, insbesondere innerhalb der Unternehmensgruppe, hilft mir, Prozesse sehr schnell zu verstehen und Entscheidungen effizient zu treffen. Ich kenne die Arbeitsabläufe gut, von der Entwicklung über die Logistik bis hin zur Qualitätssicherung, und viele davon sind ähnlich und nähern sich immer mehr an.
So können wir gezielt Strukturen aufbauen und uns an bewährten Modellen orientieren. Gleichzeitig sorgt dies für Vertrauen in die aktuelle Wachstumsphase, da wir bereits eine ähnliche Entwicklungsstufe durchlaufen haben und wissen, worauf es ankommt.
In weniger als drei Jahren ist unsere Belegschaft von 40 auf über 110 Mitarbeitende angestiegen, und das in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld. Die Strukturierung dieses Wachstums bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Effizienz ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.
In weniger als drei Jahren ist unsere Belegschaft von 40 auf über 110 Mitarbeitende angestiegen, und das in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld.
Welche Bedeutung hat die Integration in die STWC Gruppe für Ihr Wachstum?
Die Integration war ein entscheidender Schritt und kam genau zur richtigen Zeit. Ein zentraler Aspekt ist die Versorgungssicherheit für unsere Kunden. Viele wollen ihren Lieferantenstamm verkleinern und gleichzeitig den Zweiquellenbezug sicherstellen.
Als Gruppe können wir genau das bieten, Redundanz innerhalb von einem einzigen Unternehmen. Dies ist ein klarer Wettbewerbsvorteil und wird von unseren Kunden sehr geschätzt.
Darüber hinaus profitieren wir von stabilen Strukturen, finanzieller Sicherheit und einem starken Netzwerk. Insbesondere in Phasen starken Wachstums oder wenn externe Faktoren wie steigende Goldpreise ins Spiel kommen, hilft uns die Gruppe, stabil zu bleiben und weiter zu investieren.
Wo sehen Sie die wichtigsten Synergien innerhalb der Gruppe?
Am deutlichsten zeigen sich die Synergien im Tagesgeschäft. Wir arbeiten mit harmonisierten Systemen, gemeinsamen Prozessen und tauschen Kapazitäten innerhalb der Gruppe aus. Ziel ist die vollständige Redundanz mit identischen Kompetenzen, ähnlichen Maschinen und den gleichen Standards.
Wir führen regelmässig Kapazitätsanalysen durch und verlagern Aufträge innerhalb der Gruppe, um die Auslastung zu optimieren. Gleichzeitig arbeiten wir an Best Practices und der Weiterentwicklung unserer Organisation durch gemeinsame Projekte.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die zunehmende vertikale Integration. Heute können wir einen grossen Teil der Wertschöpfungskette intern abdecken, was uns schneller und flexibler macht.
Welche strategischen Überlegungen bestimmen derzeit den Ausbau Ihrer Kapazitäten und Kompetenzen?
Ein zentraler Faktor ist die weitere Vertikalisierung und Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette. Gerade im Umgang mit Edelmetallen ist es entscheidend, Prozesse präzise zu beherrschen und dabei für Transparenz zu sorgen. Themen wie die Rückverfolgbarkeit werden immer wichtiger, da die Kunden wissen wollen, woher Materialien kommen und wie sie verarbeitet wurden.
Darüber hinaus arbeiten wir konsequent an kontinuierlicher Verbesserung. Unser Ziel ist es, unsere Prozesse ständig in Frage zu stellen und morgen besser zu sein als heute. Dazu gehören Produkt- und Prozessinnovationen sowie die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit im täglichen Betrieb. Auch Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung werden vor allem für die jüngere Generation immer wichtiger.
Welche Vorteile ergeben sich aus der Zusammenführung der Funktionen Polieren, Montage, Qualität und Entwicklung an einem Standort?
Diese Konsolidierung führt in erster Linie zu einer deutlich besseren Kommunikation und Reaktionsfähigkeit. In unserer Arbeitsumgebung, in der Edelmetalle bearbeitet werden und hohe Präzision gefragt ist, kommt der Geschwindigkeit entscheidende Bedeutung zu.
Die räumliche Nähe der verschiedenen Funktionen ermöglicht eine engere Zusammenarbeit, schnellere Entscheidungsfindung und eine bessere Gesamtabstimmung. Gleichzeitig stärkt sie den Zusammenhalt der Teams und fördert den Wissensaustausch.
In der Vergangenheit waren die Tätigkeiten über verschiedene Standorte verteilt, was die Zusammenarbeit erschwerte. Heute profitieren wir von kürzeren Distanzen, effizienteren Prozessen und spürbar weniger zeitlichem Aufwand.
Heute können wir einen grossen Teil der Wertschöpfungskette intern abdecken, was uns schneller und flexibler macht.
Wie gelingt es Ihnen, Wachstum mit den hohen Qualitätsansprüchen der Haute Horlogerie in Einklang zu bringen?
Das fängt bei der Auswahl der Mitarbeitenden an. Wir legen grossen Wert auf die Einstellung und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung. Diese Einstellung ist entscheidend.
Darüber hinaus investieren wir gezielt in Fortbildung und unterstützen unsere Mitarbeitenden bei ihrer täglichen Arbeit. Gleichzeitig hinterfragen wir ständig unsere Prozesse und suchen nach Möglichkeiten, sie zu verbessern, sei es im Hinblick auf Effizienz oder Reproduzierbarkeit.
Unser Ziel ist es, durch stabile und ausgereifte Prozesse sowohl hohe Qualität als auch termingerechte Lieferungen zu gewährleisten. Gerade im Luxussegment erwarten die Kunden nicht nur ein perfektes Produkt, sondern auch einen einwandfreien Service. Diese Kombination ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Welche Rolle spielen Innovationen für das Wachstum von Elfix?
Innovationen sind für uns unverzichtbar, auch in einem stark traditionsorientierten Markt. Es geht darum, neue Technologien zu integrieren, ohne die Ästhetik der Produkte zu beeinträchtigen.
Jedes Jahr setzen wir uns das Ziel, mehrere Innovationen zu entwickeln und beispielsweise auf der EPHJ (Fachmesse für Hochpräzisionserzeugnisse) in Genf zu präsentieren. Das Ziel sind nicht Innovationen um ihrer selbst willen, sondern um Lösungen zu schaffen, die einen echten Mehrwert für unsere Kunden bieten.
Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, präsentieren ihnen frühzeitig neue Ansätze und entwickeln gemeinsam Projekte. Dieser partnerschaftliche Ansatz hilft uns, uns im Markt zu differenzieren und langfristige Beziehungen aufzubauen.
Wie haben sich die Anforderungen Ihrer Kunden verändert?
In einem anspruchsvollen Marktumfeld steigen die Anforderungen kontinuierlich. Unsere Kunden erwarten mehr Flexibilität, bessere Leistung und gleichzeitig stabile Kostenstrukturen.
Für uns bedeutet das, dass wir unsere Prozesse ständig hinterfragen und verbessern müssen. Ich betrachte diese Phasen als eine Neuverteilung der Karten. Es wird immer Gewinner und Verlierer geben, und wir möchten zu den Gewinnern gehören.
Deshalb arbeiten wir intensiver und hören unseren Kunden genau zu, um ihnen noch besseren Service zu bieten. Meiner Ansicht nach ist dies der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum und langfristigem Erfolg.
Alexandre Antoine
Alexandre Antoine ist seit 2023 CEO von Elfix und verantwortlich für die Entwicklung des Unternehmens innerhalb der SwissTech Watch Components Group. Zuvor hatte er leitende Positionen bei Boucledor, TAG Heuer und innerhalb der Swatch Group inne. Seine Expertise liegt vor allem in den Bereichen Produktion, Qualität, kontinuierliche Verbesserung und Haute Horlogerie.
Alexandre Antoine ist Ingenieur und hat sein Studium an der École Nationale d’ingénieurs (Nationale Ingenieurshochschule) im französischen Metz absolviert.
www.elfix.ch