Gebäude, die mitdenken, Energie sparen und sich den Bedürfnissen ihrer Nutzer automatisch anpassen – daran arbeitet Viscom seit 35 Jahren. Seit der Übernahme der Geschäftsleitung im Jahr 2023 treibt Denis Bochud die strategische Weiterentwicklung des Familienunternehmens voran. Im Interview spricht er über persönliches Wachstum, die Chancen datenbasierter Gebäudeautomation und weshalb nachhaltiges Wachstum weit mehr bedeutet als nur mehr Mitarbeitende.

Zusammenfassung

  • Viscom entwickelt intelligente Gebäudeautomationen, die für mehr Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz sorgen. 
  • Das Unternehmen ist in den letzten Jahren sowohl technologisch als auch strategisch gewachsen. 
  • Besonders grosses Potenzial sieht Viscom in datenbasierten Lösungen und Energiemonitoring. 
  • Nachhaltigkeit und steigende Energieanforderungen treiben Innovationen in der Branche voran. 
  • Eine offene Unternehmenskultur und Eigenverantwortung fördern langfristiges Wachstum und Innovation.

Viscom wirbt mit dem Slogan «Intelligenz für Ihr Gebäude». Wie merkt man, ob ein Gebäude «mitdenkt», wenn man es betritt und einen Tag darin arbeitet?
Am besten ist es, wenn man gar nichts bemerkt. Als Partner für Gebäudeautomation sorgen wir bei Umbauten, Sanierungen oder Neubauten dafür, dass Gebäude intelligent automatisiert betrieben werden können. Dank unserer Automation «denken» Gebäude mit und passen sich den Nutzern an, bevor diese eingreifen müssen. Wir planen die Steuerung, programmieren die Software und vernetzen die anzusteuernden Geräte, damit diese über ein Leitsystem geregelt und überwacht werden können. Dies sorgt für Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz. 

In Laborumgebungen ist es beispielsweise besonders wichtig, dass die Luftqualität stimmt, der Druck passt und die Temperatur immer exakt geregelt ist, damit optimale Bedingungen für die Forschung gegeben sind. Aber auch der Umgang mit banalen Alltagssituationen gehört zu unseren Aufgaben. So sorgen wir beispielsweise dafür, dass bei einem mehrstündigen Meeting mit zehn Personen die Luftqualität und die Temperatur im Sitzungszimmer perfekt bleiben, die Rollläden sich bei Sonneneinstrahlung automatisch herunterlassen und das Licht entsprechend angepasst wird.

Profond Geschäftsbericht Viscom CEO am Arbeitsplatz
Profond Geschäftsbericht Visom CEO im Gespräch
Profond Geschäftsbericht Visom Sitzung

Viscom wird dieses Jahr 35 Jahre alt, Sie selbst haben die Leitung des Familienunternehmens im Mai 2023 übernommen. Gab es in den letzten Jahren Schlüsselmomente, die für Sie in Ihrer neuen Rolle sowie für das Unternehmen besonders prägend waren?
Ich bin im Oktober 2022 in das Familienunternehmen eingetreten und habe seine Leitung ein halbes Jahr später übernommen. In der neuen Führungsrolle musste ich meinen Blick vom Operativen zum Strategischen wenden. Dabei alte Muster hinter mir zu lassen und nicht in den operativen Alltag zurückzufallen, gelang nicht automatisch. Die strategische Brille konsequent zu tragen und vorauszuschauen, war ein Lernprozess, der mich sehr geprägt hat. Ebenso prägend war die Gewissheit, nicht alles steuern zu können. Dementsprechend habe ich gelernt, mit Unsicherheiten umzugehen. 

Für das Unternehmen waren in den letzten Jahren zwei Dinge entscheidend: die Digitalisierung unserer Arbeitsweise und die Erreichung einer Grösse, mit der wir komplexere und anspruchsvollere Grossprojekte für unsere Kunden umsetzen können.  

In welchen Bereichen ist Ihr Unternehmen in den letzten Jahren besonders gewachsen? 
Wir sind vor allem im Engineering gewachsen, also im Bereich unserer Kernkompetenz, der Gebäudeautomation. Dabei verzeichneten wir nicht nur ein quantitatives, sondern auch ein qualitatives Wachstum. Wir haben unsere Prozesse angepasst und unsere Lösungen weiterentwickelt. Zudem konnten wir bei unserem Gebäudeautomationsservice ein Wachstum verzeichnen. Dieser übernimmt auf Wunsch die Betreuung von laufenden Systemen und kümmert sich um die Mess-, Steuer- und Regeltechnik (MSR) in der Gebäudeautomation bis hin zur Wartung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen.

Ich sehe das Wachstum der Viscom Engineering vor allem in internen Prozessen, damit wir als Unternehmen und als Team noch besser werden.

Wo sehen Sie aktuell das grösste Entwicklungspotenzial für Viscom Engineering? 
Der Bereich des Gebäudeautomationsservice ist nach wie vor ein Wachstumsmarkt. Grosses Entwicklungspotenzial sehe ich zudem im Energiemonitoring, bei den energetischen Betriebsoptimierungen und im Bereich der vorausschauenden Wartung und Regelung, auch «Predictive Maintenance» genannt. Dabei werden Daten von verschiedenen Sensoren und Systemen automatisiert abgerufen und basierend darauf Vorhersagen erstellt. So kann beispielsweise bei einem bevorstehenden, grossen Temperaturanstieg die Heizung eines Gebäudes bereits zwei Tage vorher heruntergedreht werden oder es lässt sich vorhersagen, wann Filter ausgewechselt werden müssen.

Gebäude werden immer vernetzter und datenbasierter betrieben. Hier sehen wir grosses Potenzial, weshalb wir ein Team zusammengestellt haben, das in diesem Bereich Entwicklungen vorantreibt. Unser Ziel ist es, dank eines guten Energiemonitorings die bestehenden Anlagen energetisch zu optimieren und danach mittels «Predictive Maintenance» zusätzliche Energie und Kosten einzusparen. 

Die Themen, IoT (Internet of Things oder Internet der Dinge), Daten und KI werden in den nächsten Jahren spannend bleiben. Das Internet der Dinge ist bereits präsent und etabliert sich immer weiter. Bei KI ist man noch unsicherer, wie sich diese entwickeln wird. Ich bin jedoch überzeugt, dass KI-gestützte Optimierungen künftig eine Rolle spielen werden und dass Gebäude vielleicht einmal komplett von KI gesteuert werden. 

Profond Geschäftsbericht Visom Nahaufnahme Geräte
Profond Geschäftsbericht Visom Nahaufnahme Kabel
Profond Geschäftsbericht Visom CEO in Gespräch mit Mitarbeiter
Profond Geschäftsbericht Visom Nahaufnahme Mitarbeiter an der Arbeit
Profond Geschäftsbericht Visom Nahaufnahme Kabelspulen

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gewinnen bei Gebäuden zunehmend an Bedeutung. Sehen Sie Nachhaltigkeit eher als Treiber für Innovation oder als notwendige Pflicht der Branche?
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz nur als Pflicht zu sehen, wäre für mich die falsche Motivation. Beides sind auf jeden Fall starke Treiber für Innovationen. Ich war kürzlich bei den Karrieretagen der Hochschulen und habe dort Unternehmen kennengelernt, die nur aufgrund der Energiethemen und der regulatorischen Bestimmungen der öffentlichen Hand entstanden sind. Auch wir sind im Bereich öffentlicher Bauten tätig und kennen den regulatorischen Druck, bestimmte Werte und Vorgaben erfüllen zu müssen. Zusätzlich gibt es auch Druck von privater Seite, sei es wegen der steigenden Energiepreise oder wegen der eigenen Klimaziele. Aus diesen Vorgaben entstehen jedoch auch spannende Ideen, und es begeistert mich, wenn wir mit neuen, innovativen Lösungen unterstützend wirken können.

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz nur als Pflicht zu sehen, wäre für mich die falsche Motivation – beides sind starke Treiber für Innovationen.

Wachstum bedeutet in der Regel auch mehr Mitarbeitende. Wie gelingt es Ihnen, die vielfältigen Talente zu finden, zu gewinnen und langfristig zu halten, die Sie benötigen?
Talentierte Mitarbeitende zu finden, kann tatsächlich schwierig sein. Zudem erleben wir, dass Selbstwirksamkeit und Sinnhaftigkeit bei der Arbeit für junge Generationen immer wichtiger werden. Um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, muss die Firmenkultur passen und konsequent gelebt werden. Wir pflegen die Kommunikation auf Augenhöhe, zeigen Wertschätzung und bieten Entwicklungspotenzial sowie viel Entscheidungsfreiheit. Uns ist es wichtig, dass sich die Mitarbeitenden einbringen, denn wir wollen unsere Ziele gemeinsam erreichen. Dass wir viele langjährige Mitarbeitende haben, zeigt, dass uns das gut gelingt. Für ein nachhaltiges Wachstum achten wir darauf, dass die Anzahl der Mitarbeitenden und der Umsatz miteinander wachsen. So können wir Grossprojekte mit unserem Kernteam umsetzen, was die Qualität und Zufriedenheit bei Kunden und Mitarbeitenden erhöht. 

Profond Geschäftsbericht Visom Nahaufnahme Schweissen
Profond Geschäftsbericht Visom Nahaufnahme Mitarbeiter am Arbeiten
Profond Geschäftsbericht Visom Nahaufnahme Kabel

Wie werden sich die erforderlichen Berufe und Fähigkeiten in der Gebäudeautomation – von der Planung bis zum langjährigen Betrieb – in Zukunft verändern? 
Schon heute sind verschiedene Kompetenzen erforderlich. Dazu gehört das Fachwissen über Heizungs-, Lüftungs- und Klimageräte sowie über Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Darüber hinaus sind Programmierkenntnisse und ein Verständnis für Elektrotechnik und Systemlogik erforderlich. Unsere Fachleute müssen über ein hohes Projektverständnis und eine gute Arbeitsmethodik verfügen, um eine Anlage in Betrieb nehmen zu können. 

Auch in Zukunft werden diese Fähigkeiten gefragt sein. Die Projekte werden jedoch zunehmend über die Inbetriebnahme einer Anlage hinausgehen. Ich denke hierbei an eine Vielzahl vernetzter Systeme, vom Energiemanagementsystem bis hin zum Alarmsystem. Deshalb werden Umwelt- und Energietechnik, sowie Datenanalyse und IT-Security immer wichtiger.

Wie fördern Sie Innovation und Unternehmergeist innerhalb Ihrer Firma?
Weil wir unseren Mitarbeitenden sehr viel Eigenverantwortung geben und ihnen einen grossen Handlungsspielraum lassen, denken sie mit, bringen ihre Ideen ein und weisen auf bevorstehende Herausforderungen hin. So fördern alle Mitarbeitenden den Unternehmergeist und die Innovation. 

Denis Bochud

Profond Geschäftsbericht Visom Portrait CEO

Denis Bochud ist Geschäftsführer der Viscom Engineering AG und leitet das Familienunternehmen seit 2023. Zuvor war er in Unternehmen der Finanzbranche, des Rohstoffhandels sowie der Gastronomie und Hotellerie tätig. Er besitzt einen Master in Wirtschaftswissenschaften, operativer und digitaler Exzellenz sowie einen Bachelor in Business Administration, Hospitality Management und Economics der Hochschule Luzern.
www.viscomag.ch


 

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